Liebe Schwestern und Brüder,

 

Karfreitag: Jesus Christus, der Gottessohn, stirbt am Kreuz. Durch sein Leben und in seinen Worten hat Gott zu seinem Volk geredet. Gott hat sein Volk durch Jesus Christus zu sich gerufen. Am Karfreitag verstummt diese Stimme, verstummt Gott; Gott wird zum Schweigen gebracht. Die Jünger Jesu können nichts mehr von Gott hören, für das Gottesvolk schweigt Gott.

 

Schweigen ist manchmal nicht das Schlechteste. Wenn ich mir den Stimmenwirrwarr der Politker*innen, Fachleute, Spezialisten/Spezialistinnen, Journalisten/Journalistinnen und vieler anderer zur Corona-Pandemie anhöre, denke ich manchmal, das alte Sprichwort hat recht: „Wenn du geschwiegen hättest, wärest du ein Philosoph geblieben.“ Ich verstehe ja, dass keiner derjenigen, die sich an der Diskussion mit Vorschlägen beteiligen oder Entscheidungen treffen, das rettende, das erlösende Wort haben kann. Viele Einsichten müssen zusammengetragen werden, um etwas Lichts ins Dunkel zu bringen und zu erkennen, wohin die nächsten Schritte gehen müssen. Aber vieles, was geredet wird, scheint mir überflüssig, unernst, der Situation nicht angemessen, dient nicht der Sache, sondern der Selbstdarstellung der Redenden.

 

Anders ist es bei Gott. Sein Wort schafft Leben. An Jesus Christus sehen wir, sein Wort schafft Leben aus dem Tod. An Ostern geschieht es, dass Gott wieder redet. Gott, von den Menschen zum Verstummen gebracht haben, redet wieder. Ja, er redet unerhört neu. Er redet so, wie sein Volk ihn noch nie reden hörte. Leben aus dem Tod, Sein aus dem Nichts – hat man so etwas schon gehört?

 

Doch, natürlich hatte man das schon gehört. Man hätte es hören können, wenn man richtig hingehört hätte. Als die Jünger Jesu dem Auferstandenen begegneten, hörten sie es plötzlich aus den Schriften des Volkes Israel. Gott redete neu zu ihnen aus diesen Heiligen Worten des Gottesvolkes. Sie hörten Gott wieder laut und deutlich reden und sie sagten weiter, was sie da hörten. „Abraham ist unser aller Vater – wie geschrieben steht: ‚Ich habe dich gesetzt zum Vater vieler Völker‘ – vor Gott, dem er geglaubt hat, der die Toten lebendig macht und ruft das, was nicht ist, dass es sei. Wo keine Hoffnung war, hat er auf Hoffnung hin geglaubt, auf dass er der Vater vieler Völker werde, wie zu ihm gesagt ist: ‚So zahlreich sollen deine Nachkommen sein‘.“ (Römer 4,17.18)

 

Täglich ändert sich zurzeit unsere Stimmungslage ständig, heute Hoffnung, morgen Verzagtheit, Zweifel, Mutlosigkeit. Werden wir zu einem Leben zurückkehren können, das nicht vom Corona-Virus bestimmt ist? Arbeiten, unbeschwert mit anderen Menschen zusammen sein, Reisen, Feiern. Wir suchen immer wieder nach Gründen für unsere Hoffnung und erleben oft genug, dass diese Gründe schwach sind oder gar trügen. Aber das, was wir als Menschen schaffen können, wird letztlich ausreichen, dass zu einem normalen Leben zurückkehren, zu einem Leben, wie wir es kennen, mit all seinen Wandlungen und Veränderungen, die möglich sind. Und das ist gut so.

 

Aber wenn Gott zu uns redet, eröffnet sich ein anderer Horizont, eine andere Hoffnung. Diese Hoffnung ist nicht von unseren menschlichen Fähigkeiten und Möglichkeiten abhängig. Diese Hoffnung verweist auf ein Leben, das ganz im Einklang mit Gott steht und unzerstörbar ist. Die Corona-Pandemie kann wirklich Angst machen, aber auch eine solche Angst wird überwunden durch den Gott, der seit Ostern neu zu uns redet.